Verlorene Entdeckungen 1999

Der Bildraum ist in die Dreidimensionalität erweitert. Über die Täler, Schluchten und Höhen des reliefartig bewegten Mal-grundes breitet der Künstler in mehreren lasierenden Schichten eine reiche Farbpalette aus…

…ein bläulich anthrazitfarbenes Bild erinnert beispielsweise an die Struktur einer Schiefertafel, ein anderes an die verwitterte Rinde eines Fichtenstammes. Eine ganz in unterschiedlich hellen Grüntönen gehaltene Arbeit mutet wie ein tropischer Urwald an, der von großer Höhe aus dem Flugzeug aufgenommen ist. Dagegen lässt ein Farbenspiel von Schwarz, kühlem Eisgrau und Oxydgelb an eine visionäre Landschaft denken, die in einen weißen Nebel getaucht ist. Entscheidend wird dabei immer der Lichteinfall, der die Wirkung der Bilder nachhaltig beeinflusst. Ein Aufleuchten einer kupferroten Struktur weckt den Wunsch, wie bei einer archäologischen Ausgrabung unter die Oberfläche des Papiers zu blicken und nach
Verborgenem zu suchen.

Manche Farbwerte lösen verschiedene Sinnesempfindungen aus: so scheint man beispielsweise beim Betrachten eines bestimmten Bildes die herbstliche Stimmung eines "indian summer" wahrnehmen zu können, oder fühlt sich bei einem anderen an Vivaldis "Vier Jahreszeiten" erinnert…

…die metaphorischen Landschaften sollen aber keine Abbilder der sichtbaren Natur sein. Sie fordern den Betrachter in ihrer konsequenten Abstraktion auf, sich von allzu vertrauten Vorstellungen zu lösen und – im übertragenden Sinn – die Tiefe des Bildraumes zu erkunden, um dort Verlorenes zu entdecken…

Andrea Brandl M.A., Schweinfurt 1999